Sensorik & Blindverkostung Guide: Augen zu und durch.

Vergiss für die nächsten fünf Minuten alles, was du jemals über die „richtige“ Verkostungstechnik gehört hast. Kein steifes Glas-In-Die-Luft-Halten, kein tiefes Einsaugen mit mürrischem Blick. Das Einzige, was du für diesen Guide brauchst, sind deine Sinne, ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, dich komplett auf dein eigenes Bauchgefühl zu verlassen.

Bei uns gibt es kein Richtig oder Falsch Wenn ein Wein für dich nach nasser Pappe, dem Freibadsommer 2012 oder Omas Erbeerkuchen riecht, dann ist das genau die richtige Beschreibung. Wein ist lebendig, genau wie unsere Community.

Der Endgegner: Warum wir die Augen schließen

Warum eine Blindverkostung? Ganz einfach: Dein Gehirn bescheißt dich. Sobald du ein bekanntes Etikett, eine schwere Flasche oder eine tiefdunkle Farbe siehst, rattert im Kopf das Vorurteil-Programm los. „Ah, teuer, das muss schmecken.“ Oder: „Oh, ein billiges Schraubverschluss-Etikett, das gibt Kopfschmerzen.“

Wenn wir die Augen schließen oder den Wein aus schwarzen Gläsern trinken, bricht dieses Kartenhaus zusammen. Es zählt nur noch das, was im Mund ankommt. Das ist pure Mitgestaltung – du schreibst deine eigene Geschmacksgeschichte, ganz ohne Filter.

Dein 3-Schritte-Fahrplan für zu Hause

Du willst das nächste Treffen mit Freunden auf das nächste Level heben? Schnapp dir zwei oder drei Flaschen, pack sie in Alufolie oder dicke Socken und schenkt euch gegenseitig ein. Nutzt diese drei Fragen als Kompass:

  1. Was fühlst du? Bevor du an Aromen denkst: Wie verhält sich der Wein? Ist er spritzig und erfrischend wie eine kalte Dusche nach dem Sport? Oder legt er sich schwer und warm auf die Zunge wie eine Kuscheldecke?
  2. Welches Bild ploppt auf? Lass die klassischen Fruchtaromen mal links liegen. Wenn dieser Wein ein Ort wäre – wo stündest du gerade? Im schattigen Wald? Am Strand? Oder in einer Autowerkstatt? Vertrau dem ersten Impuls.
  3. Macht das Glas Spaß? Die wichtigste Frage überhaupt. Willst du nach dem ersten Schluck sofort den nächsten nehmen? Bringt der Wein dich zum Lächeln?

Achtsam eskalieren statt steif dozieren

Am Ende des Abends geht es nicht darum, wer die Rebsorte oder das exakte Anbaugebiet erraten hat. Es geht um den Spaß am Entdecken. Wir wollen gemeinsam lachen, über die absurdesten Assoziationen diskutieren und Erinnerungen schaffen, die bleiben

Pack die Wissenschaft beiseite. Schenk nach. Und genieße den Moment so, wie er ist: echt, unperfekt und verdammt lecker

Beitrag erstellt:
Author:Jochen
Kategorie: Informationen
Zuhause Wein in einer Blindprobe genießen

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